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 Schelte für Kevin Kühnert

Die Welt ist in Aufruhr, die Welt geht unter, weil Kevin Kühnert sich Gedanken gemacht hat. Er gehört in die Ecke! Nein, das reicht nicht! Er gehört unter die Acht! Er gehört aus der Partei ausgeschlossen. Seinetwegen ist die SPD für breite Bevölkerungsschichten nicht mehr wählbar. Und ein früherer SPD-Vorsitzende vergleicht den jungen Juso mit Donald Trump. Pfui

Wer ohne Schuld ist, der Werfe den ersten Stein.

Was ist geschehen? Kevin hat nachgedacht und seine Gedanken in die Runde geworfen. Was ist daran verwerflich?

An dieser Stelle kann man nicht mehr so oberflächlich bleiben.

Wie sieht es denn aus in unserem Vaterland? – Unzufriedenheit wohin man auch sieht. Der Verfasser hat für eine anstehende Arbeit Fotos anfertigen lassen, Fotos, die die emotionale Stimmung im Land ausdrücken. Glück sieht anders aus. Das sind die Folgen einer jahrzehntelang verfehlten Politik. (Dieser Satz verlangt nach einer analytischen Begründung. Dafür ist hier aber nicht der Raum.) Wir können uns alle Bereiche des Lebens in Deutschland ansehen, wir stoßen auf Probleme. Da sind Rentner, deren Rente nicht zum Leben reicht. Da gibt es Arbeit, die so bezahlt wird, daß der Staat regelmäßig aufstocken muß. Da gibt es Autokonzerne, die des Profites wegen die Umwelt mehr belasten als es nötig wäre. Da wird der Boden bereitet, auf dem Unbelehrbare ihre Weltanschauung mit verbaler und körperlicher Gewalt durchsetzen können. Da wird weltweit über die bevorstehende Vernichtung unserer Erde gesprochen, aber es wird eben nur geredet, nicht wirklich gehandelt – und wenn, nur halbherzig. Da müssen wir ausländische Fachkräfte ins Land holen – halt, hier wird nicht der AFD in die Hände gespielt, hier geht es um ein deutsches und hausgemachtes Problem: Wir holen ausländische Fachkräfte ins Land, weil wir im eigenen diese Fachkräfte nicht haben. Das ist das Ergebnis einer verfehlten Bildungs- und Erziehungspolitik. Eine noch nicht veröffentlichte Untersuchung ergibt, daß das Bildungsniveau in Deutschland analog der Entwicklung des Privatfernsehens sinkt. Sicher, so einfach ist das nicht.

Auch hier müssen viele Aspekte untersucht werden, um zu haltbaren Thesen zu kommen. Nur – haben wir nicht genug Grund, darüber nachzudenken, wie man das ändern, wie man das Leben lebenswerter gestalten kann?!?

Es ist nicht bekannt, ob Kevin Kühnert seine Gedanken zu Ende gedacht hat, oder ob seine Worte „nur“ als Diskussionsbeitrag in den Raum geworfen wurden. Aber Kevin Kühnert hat Recht und hat das Richtige gesagt. Er hat Recht, daß man nicht nur Reden, sondern auch Handeln muß, wenn man wirksam etwas verändern will. Er hat auch Recht, weil alle angegangenen Maßnahmen nicht wirklich gegriffen haben. Der Verfasser kann nicht wirklich nachvollziehen, warum gerade BMW kollektiviert werden soll. Aber Handlungsbedarf besteht allemal. Augenmerk wäre wohl eher auf andere Betriebe zu legen. Die Deutsche Post zum Beispiel baut Leistungen vehement ab und plant saftige Preiserhöhungen. Nicht ohne Grund war sie in öffentlicher Hand und unter öffentlicher Kontrolle. Es ist eine Dienstleistung; und sie soll gewiß nicht denen dienen, die aus ihr höchstmöglichen Profit schlagen. Die Deutsche Bahn und der Öffentliche Personennahverkehr gehören genauso auf den Prüfstand. An dieser Stelle sei noch angemerkt, daß viele Städte Eigenbetriebe wie Energie- und Wasserversorger wieder zurückholen. Das macht Sinn. Wer hier Kevin Kühnert beschimpft und für nicht wählbar erklärt, hat die Lage der Nation nicht verstanden!

Wir müssen uns auch vor Augen halten, daß noch keine Maßnahme zur

Eindämmung der Wohnungsnot gegriffen hat. Artikel 1 unseres Grundgesetzes stellt fest: Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Aber sie wird angetastet, wenn schon das Dach über dem Kopf gefährdet ist. Da hilft keine Schönrednerei wie sie von vielen Politikerinnen und Politikern betrieben wird.

Heftig sind die Reaktionen aus allen politischen Lagern. Aber es drängt sich die Frage auf, ob die, die jetzt den jungen Politiker attackieren, wirklich verstanden haben, worum es geht. Zumindest aber kommen von dort keine wirklichen Ansätze zur Lösung der Probleme unserer Zeit. Gerne unterschlägt man dabei die Anmerkung von Kevin Kühnert, daß die Änderungen in demokratischen Prozessen angegangen werden sollten. Und es fallen andere Dinge ein, die man auch einmal öffentlich erörtern sollte: Wofür steht das „C“ von zwei sogenannten Volksparteien? Zumindest sind keine christlichen Attribute in der Politik der Vertreter der Parteien erkennbar. Zwangsweise Kreuze in Klassenzimmern aufzuhängen, ist nicht der Ausdruck christlicher Werte. Das Studium der Bibel gibt das nicht her.

Die Mutterpartei von Kevin Kühnert hat im Grunde ihre Existenzberechtigung verloren. Unsere Zeit hat nichts mehr mit der Zeit von August Bebel und Wilhelm Liebknecht gemein. Die Klasse, für die die SPD angetreten ist, gibt es nicht mehr. Die Schelte gegen Kevin Kühnert verweist ihn auch auf das Godesberger Programm. Abgesehen davon, daß dieses Programm aus einer anderen Zeit stammt, stehen da Werte drin, die Kevin Kühnert gewiß nicht verletzt. Obwohl: Dieses Programm kann die SPD auch nicht mehr retten. Vergessen wir nicht: Die Klasse, für die sie mal angetreten ist, gibt es nicht mehr. Vielleicht denken die Genossen über die Auflösung ihrer Partei nach und überlegen, für wen und für was sie einstehen wollen. Dann stünde der Gründung einer neuen, modernen und doch geschichtsbewußten Partei nichts mehr im Wege. Das wäre ehrlich. Denn Kevin Kühnert, Siegmar Gabriel und der Hetzer Thilo Sarrazin passen nicht zusammen. Eine solche Partei kann man doch nicht ernstnehmen! Da gelingt es nicht, den rechtspopulistischen Sarrazin aus der Partei auszuschließen, aber Kevin Kühnert mit einem die Partei voranbringenden Gedankengut will man möglichst schnell aus der Partei entfernen.

Kevin Kühnert den Rat zu geben, bei den Linken einzutreten, ist arrogant und zynisch. Wer linke Positionen vertraten, mußte sich in den 70er und 80er Jahren Sätze wie „Geh doch nach drüben“ anhören. Aber darum ging es nicht. Es ging um die Gestaltung des Landes, in dem man lebte. Kevin Kühnert wird es wohl auch eher darum gegangen sein, seine Partei Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, der eigenen Partei eine Chance zu geben.

Bei all den sachlichen Überlegungen macht die Debatte noch etwas anderes deutlich: Die Verrohung und Respektlosigkeit in den Umgangsformen, der Gesprächskultur! Kevin Kühnert ist bekannt als aufrichtiger junger Mann, der sich eine Meinung gebildet hat und die vertritt. Er tut nichts Unrechtes. Er scheut keine Konflikte, keinen ehrlichen und notwendigen Streit. Mit welchem Recht wird Kevin Kühnert persönlich angegriffen und so respektlos behandelt?!? Die Sachlichkeit, mit der er trotz dieser Anfeindungen seine Haltung vertritt, stünde manch etabliertem Politiker gut an!

Es gibt viel zu tun, packen wir‘s an, aber machen wir nicht weiter wie bisher.

 

I Like You

Interaktive Ausstellung im Museum für Kommunikation

Ein Museum ist ein Heiligtum der Musen. Zwar trifft das durchaus auch auf das Museum für Kommunikation in Berlin zu, aber es ist nicht einfach eine Pinakothek zum Reingehen und anschauen. Die Ausstellungen dort berühren uns, inspirieren, öffnen den Blick in andere (vergangene) Welten und informieren. Hier haben die Exponate nicht unbedingt etwas mit Kunst zu tun.

„I like you“ ist eine Ausstellung zum Thema Freundschaft – digital und analog.

Die Macher fragen: „Was bedeutet Freundschaft“ und werden mehr als fündig. Facebook-Freunde sind in den meisten nicht wirkliche Freunde. Die meisten der „Freunde“ kennen sich ja gar nicht persönlich. Echte Freundschaft ist wertvoller. Aber der Reihe nach.

Der Besucher wird gleich zu Anfang mit persönlichen Fragen konfrontiert, kann sich entscheiden, werten, ausprobieren. Ihm stehen spielerische Hilfsmittel zur Verfügung, nähert sich also spielerisch dem Thema der Ausstellung. Man kann hier verweilen, ohne daß Langeweile aufkommt. Im Rundgang durch die Ausstellung kann sich der Besucher  mit verschiedenen Aspekten von Freundschaft auseinandersetzen: Freunde fürs Leben, Elf Freunde, Frauenfreundschaften, Männerfreundschaften, politische Freundschaften  - um nur einige Beispiele zu nennen. Fotos und Briefe legen Zeugnis davon ab. Aber auch Filme und Tondokumente. Briefen und Karten stehen Internet und SMS gegenüber. Eine Wertung – analog oder digital -nehmen die Macher der Ausstellung nicht vor. Das bleibt jedem Besucher vorbehalten.

Die nicht chronologisch, sondern thematisch aufgebaute Ausstellung geht auf viele weitere Aspekte ein: Ohne Freunde leben; Echte Freunde, falsche Freunde; Freunde verlieren durch Bruch der Freundschaft oder Tod.

Der Besucher kann nicht nur beliebig visuelle und akustische Hilfsmittel nutzen, er kann ach aktiv mitmachen, Briefe, Notizen oder Karten schreiben, die dann am Folgetag in der Ausstellung zu finden sind. Kurz vor dem Ausgang kann er in einer vorbereitenten Box mit „scharfer“ Kamera Freundschaftsfotos erstellen.

Die Ausstellung kommt mit 600 m² Fläche aus. Trotzdem kann der Besuch mehrere Stunden dauern. Die Stationen der Ausstellung laden zum Verweilen, zum Ausprobieren, zum Vertiefen ein. Und ganz gewiß ist mit dem Verlassen des Museums in der Leipziger Straße der Besuch nicht zu Ende. Er wirkt nach. Und das ist gut so…

Die Ausstellung im Museum für Kommunikation in der Leipziger Straße 16 kann man noch bis zum 5. Juli 2020 besuchen. Dr. Maria Padberg und Stefan Nies sind die Kuratoren der Ausstellung, die zuvor schon in Frankfurt am Main zu sehen war.

Berlin am 28. September 201